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Bevor Zisterziensermönche im 12. Jahrhundert das Kloster Himmerod gründeten, hatten sie in Winterbach gesiedelt.

In seiner Chronik widmet Hubert Thoma dem "Kloster Winterbach" ein eigenes Kapitel:
Halbwegs zwischen Kordel und Daufenbach, etwa dort, wo heute ein Bahnwärterhäuschen auf vorgeschobenem Posten steht, findet der Wanderer ein einsames Steinkreuz. Es steht mitten im romantischen Kylltal, vom Regen verwaschen, und vom Sturm verwittert. Ein schmales Rinnsal windet sich ganz in der Nähe durch die Wiese, und ein paar Steinwürfe weiter ragen noch alte Mauerreste aus dem Gestrüpp. Es ist nur ein schmaler Feldweg, der dort vorbeiführt, verwachsen und holperig, aber wer sich die Mühe macht ihn zu gehen, dem eröffnet sich nicht nur ein herrlicher Ausblick auf die einsame Schönheit der herben Eifellandschaft, sondern auch ein Ausblick in geschichtliche Ereignisse, die fast ein Jahrtausend zurückliegen.


Das Kreuz wird im Volksmund das „Bernhardskreuz“ genannt und dort, wo heute die zerfallenen Mauerreste stehen, haben Zisterziensermönche im 12. Jahrhundert ein Kloster und eine Kapelle errichtet. Es waren Söhne des hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153), jenes wortgewaltigen Gottesstreiters, der Kaiser, Fürsten und Ritterschaft durch das Feuer seiner Rede für den Kreuzzug begeisterte. Die Legende will wissen, daß der hl. Bernhard auf seiner Wanderung durch Deutschland mit seinen Söhnen nach Winterbach gekommen sei. Und dieser Platz schien ihm gerade recht, eine neue Niederlassung seines Ordens zu gründen. Aber es war kein klares Quellwasser dort. Schweren Herzens mußte der Heilige auf die Erfüllung seines Wunsches verzichten. Mit einem letzten Blick umfaßte er noch einmal die einsame Schönheit dieser Stelle. Dabei stützte er sich, müde von der langen Pilgerfahrt, auf seinen Hirtenstab. Und siehe da, als er den Stab aus dem Boden zog, da sprudelte munter ein klares Bächlein durch die Wiese. Das war ein sichtbares Zeichen Gottes, und die frommen Mönche blieben dort und bauten ein Kloster. Deshalb heißt das Kreuz, das viel später dort errichtet worden ist, bis zum heutigen Tag das Bernhardskreuz und auch das Bernhardsbrünnchen hat noch seinen Platz in der Überlieferung. Nun, das ist eine fromme Legende. Aber wie alle Legenden, so hat auch diese einen sehr realen geschichtlichen Hintergrund. Und das Fenster in der Pfarrkirche, das ein Bild des hl. Bernhard zeigt, hat durchaus seine Berechtigung.


Tatsache ist, daß hier in Winterbach die erste und älteste Siedlung der Zisterziensermönche in Deutschland gewesen ist. Hier in Winterbach hat sich 1134 der Konvent niedergelassen, der 3 Jahre später nach Himmerod übersiedelte und sich dort in dem herrlichen Kloster zu einer bedeutenden Pflegestätte monastischen Lebens entwickelt hat. Alljährlich pilgern unzählige Scharen zum Kloster Himmerod, um dort in der weltberühmten Abtei teilzuhaben an den Kulturgütern einer achthundert Jahre alten Tradition. Aber hier, in Winterbach, wurde das erste Fundament zu dieser Kulturstätte von abendländischer Bedeutung gelegt. Und die zerfallenen Mauerreste des ehemaligen Klosters sprechen eine stumme, aber ehrfurchtgebietende Sprache

Wie kamen aber die Mönche nach Winterbach? Die Anregung zu dieser Niederlassung der Zisterzienser ging von dem damaligen Erzbischof Albero von Montreuil aus, einem Landsmann und Studienfreund des hl. Bernhard. Als Albero den Bischofsstuhl des hl. Eucharius in Trier- bestieg, sah es im Erzbistum böse aus. Der Erzbischof mußte sich gegen die Ritterschaft durchsetzen, die ihm mancherlei Schwierigkeiten machte. Aber Albero war ein streitbarer Herr. Gegen seinen bedeutendsten Widersacher, den Burggrafen Ludwig, baute er die Trutzburg Pfalzel aus. Und mit derselben Tatkraft, mit der er sich gegen die äußeren Feinde durchsetzte, schaffte er auch Ordnung innerhalb der Kirche. Priester und Mönche waren zur damaligen Zeit mehr weltlichen als geistlichen Dingen zugetan und eine durchgreifende Reform tat bitter not. Da wandte sich der Erzbischof an seinen Freund, den hl. Bernhard, und bat ihn, einige seiner Mönche nach Trier zu senden, damit diese dem Klerus als Vorbild dienten. Der hl. Bernhard erfüllte seinem Freund, dem Erzbischof, diesen Wunsch und sandte einige Mönche aus seiner Klostergemeinschaft-nach Trier. Es waren ihrer im Ganzen neun und sogar die Namen sind uns noch bekannt. An der Spitze standen Abt Randulf und Prior Elias, und mit ihnen kamen die Mönche: Pontius, Johannes, Oliverus, Walter, Durstinus, Salomon und David. Einige Wochen bezogen die Mönche in Trier Wohnung und zwar in einem Hause gegenüber der Liebfrauenkirche. Im Jahre 1134 zogen sie in das Kylltal nach Winterbach. Dort hatte Erzbischof Albero ihnen eine „Einöde“ („locus quidam solitaris“, wie es in der Stiftungsurkunde heißt) zugewiesen. Diese Einöde hatte Albero von dem erzbischöflichen Kämmerer Ludwig durch Kauf erworben und durch Tausch mit den umliegenden Gütern abgerundet. Dort bauten die Mönche das Kloster, dessen Trümmer heute noch zu sehen sind. Aber der Konvent blieb nur drei Jahre dort. In dieser Zeit starb der Prior Elias, er wurde auch dort in der Klosterkapelle begraben.

Man wird es fast als sicher annehmen können, daß der hl. Bernhard seine Mönche in Winterbach besucht hat. Der große Abt war mehrfach in Trier, um seinen Freund, den Erzbischof Albero zu besuchen und ihm bei seinen Regierungsgeschäften zu raten. So ist auch ein Besuch Bernhards in Trier im Jahre 1135 verbürgt, also ein Jahr nach der Gründung des Klosters in Winterbach. Es wäre fast undenkbar anzunehmen, der hl. Bernhard hätte nicht die Gelegenheit seiner Anwesenheit in Trier dazu benutzt, um auch seine Söhne in Winterbach aufzusuchen, die ihm doch sicher ans Herz gewachsen waren. Vielleicht ist sogar die Verlegung des Klosters auf seinen Rat zurückzuführen. Denn ein Jahr später, 1136/37 siedelten die Mönche ins Salmtal über und gründeten dort die heute noch bestehende Abtei Himmerod. Die Gründe für diese Umsiedlung sind auch bekannt. Die Kyll, die das Besitztum der Mönche ständig zu überfluten drohte, und die Unruhe der nahegelegenen erzbischöflichen Burg Pfalzel hatten sie vertrieben. Nach längerem Bitten erhielten sie dann auch von Erzbischof Albero die Genehmigung, den Sitz des Konvents- zu verlegen.

Aber Winterbach blieb als Hofgut (grangia) nach wie vor im Besitz der Mönche. Der Pfarrer von Kordel bezog aus dem Hof sechs Denare und der jeweilige weltliche Herr sechs Malter Korn. Zu dem Hof gehörte auch die Fischereigerechtigkeit in der Kyll bis zur Mosel. Streitigkeiten mit den Nachbarn blieben natürlich nicht aus. Da die Mönche selbst nicht mehr an Ort und Stelle waren, glaubten die Hofnachbarn sich das eine oder andere Stück stillschweigend aneignen zu können. Aber die Mönche wußten sich zu wehren. wandten sich- an den Erzbischof Johannes, der eine genaue Abschätzung vornehmen ließ. Unter den Zeugen ist in dieser Urkunde aus dem Jahre 1203 auch ein gewisser „Reimbold, Meier von Cordel“ genannt. Am 29. Juli 1228 verpachteten die Mönche das Hofgut Winterbach an Erzbischof Theoderich II. gegen jährliche Lieferung von 50 Maltern Korn. Aber im Jahre 1293 nahm der Konvent den Hof wieder in eigene Verwaltung. Ein Unglückstag war der 7. Mai 1598. An diesem Tag verwüstete das Hochwasser der Kyll alle umliegenden Äcker derart, daß der Pächter sich außerstande sah, den Verlust wieder hereinzuholen. Er kündigte den Pachtvertrag. Und die Mönche konnten auch keinen anderen Pächter finden. Schließlich mußten sie noch vier Malter Korn zuzahlen, damit sie überhaupt jemand fanden, der den Hof bewirtschaftete. Auf die Dauer wollten die Mönche aber nicht mit Verlust wirtschaften. Am 6. April 1606 verkauften sie den Hof Winterbach an den Freiherrn von Kesselstatt. Die Urkunde darüber lautet: „Das Gotteshaus Himmerodt des Zisterzienser-Ordens verkauft an Carl von Kesselstatt anno 1606 seinen Hof Winterbach mit seinem Zubehör, Rechten und Gerechtigkeiten, nicht weit von Erang bei der Kyllbach gelegen um 750 Gulden rotat (Moselgulden). Welcher Kauf von dem Generalkapitel des Zisterzienser-Ordens am 18. Mai 1609 confirmiert (bestätigt) wird.“
Unterzeichnet ist die Urkunde von Abt Ambrosius.

Die Familie Kesselstatt hatte das Gelände noch bis in unsere Tage in Besitz. Da es zum Teil in Kordeler Gemarkung liegt, war der Hofmann zu Winterbach der Gemeinde Kordel und auch dem Kordeler Pfarrer abgebepflichtig. Der Kordeler Pfarrer sollte von dem Hof zu Winterbach jährlich vier Malter Korn erhalten. (Das waren rund acht Zentner.) Aber schon am 30. Juli 1707 beschwert sich der Hofmann zu Winterbach, er habe nicht vier Malter Korn, sondern nur 26 Albus (und das war an Wert erheblich weniger) an den Pfarrer von Kordel abzuliefern. Der Pfarrer aber bestand auf seinen vier Maltern. Und da er sich persönlich an die „gnädige Frau“ wandte, erhielt er die vier Malter Korn auch.

Noch mehr als einhundert Jahre später waren die vier Malter Korn Gegenstand eines langatmigen Schriftwechsels zwischen der Kirchengemeinde Kordel und der Kesselstatt'schen Verwaltung. Durch einen Beschluß der Königlichen Regierung vom 19. Juli 1820 wurde die Kirchengemeinde zu Kordel ermächtigt, gegen den Reichsgrafen zu Kesselstatt auf Feststellung zu klagen, daß die Kirchengemeinde aus dem Hof Winterbach jährlich vier Malter Roggen zu erhalten habe. Wie der Rechtsstreit ausgegangen ist, vermeldet die Chronik nicht.

Auch ein anderer Prozeß des Freiherrn von Kesselstatt gegen die Gemeinde Kordel, der sich über drei Jahre hinzog, ist bekannt. Freiherr von Kesselstatt verklagte im Jahre l763 die Gemeinde Kordel auf Schadensersatz, weil die Gemeinde in seinen Waldungen unberechtigt zwei Eichen gefällt habe. In diesem Prozeß wurde eine ausführliche Beweisaufnahme durchgeführt und es wurden auch zwei Zeugen der Gemeinde Kordel vernommen. Der eine war Mathias Roth. Er gab an, er sei etwa 55 Jahre „könnten aber auch einige mehr sein“. Roth war in Kordel geboren, der Hofmann zu Winterbach, Carl Caspar, war sein „Petter“.

Der andere Zeuge hieß Marcus Lyser. Er war 1720 in Kordel geboren und der derzeitige Meier von Kordel war sein Vetter. Am 13. Oktober 1764 wurden nun die beiden Zeugen befragt, ob jeder „bey seinem Eydt sagen könne, daß in denen Winterbacher Hofswaldungen von producentischer (beklagter) Gemeindte ein Baum zu ihrer Gemeindtsbrücken, ein anderer Baum zum Schulhauß gehauen worden?“ Die beiden Zeugen mußten das der Wahrheit gemäß bestätigen und durch Urteil des Kurfürstlichen Hofgerichtes vom 17. Juni 1766 wurde die Gemeinde Kordel zum Schadensersatz verurteilt.